Wusstest du, dass du umfangreiche Rechte hast, wenn es um deine persönlichen Daten geht? Oft fühlst du dich hilflos, wenn Unternehmen deine Daten nutzen und du nicht genau weißt, welche Daten sie erheben und wofür. Das europäische Datenschutzrecht gibt dir das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung und viele weitere Möglichkeiten, um die Kontrolle über deine Daten zu behalten. In diesem Artikel erfährst du alles über deine Datenschutzrechte, wie du sie anwenden kannst und welche Pflichten Unternehmen dabei haben.
Grundlagen der DSGVO und ihre Bedeutung für deine Datenschutzrechte
Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ist der zentrale Bestandteil des europäischen Datenschutzrechts. Seit dem 25. Mai 2018 gilt sie und bietet einen umfassenden Rahmen zum Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten. Die DSGVO gilt in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union und sorgt dafür, dass die Vorschriften überall (annähernd) gleich sind. Dies vereinfacht die rechtlichen Anforderungen für Unternehmen, die in mehreren EU-Ländern tätig sind, und stärkt gleichzeitig deine Rechte als betroffene Person.
Die DSGVO garantiert:
- Transparenz
- in der Verarbeitung deiner personenbezogenen Daten,
- Kontrolle
- über deine eigenen Daten,
- Schutz
- vor Missbrauch und unerlaubter Verarbeitung.
Durch diese Verordnung hast du das Recht zu wissen, welche Kategorien personenbezogener Daten über dich erhoben werden, wie diese Daten verwendet werden, und kannst entsprechende Maßnahmen ergreifen, wenn deine Rechte nicht beachtet werden. Wie diese Rechte mit dem Begriff Datenhoheit zusammenhängen und warum dir deine Daten trotzdem nicht im rechtlichen Sinn gehören, erklären wir im Beitrag Datenhoheit: Kontrolle über deine eigenen Daten.
Datenschutzgesetze außerhalb der EU
Die Rechte in diesem Artikel stammen aus der DSGVO, die in der Europäischen Union gilt. Andere Länder haben für dasselbe Problem eigene Gesetze geschrieben.
In Kalifornien kannst du nach dem California Consumer Privacy Act (CCPA) erfahren, welche persönlichen Daten ein Unternehmen über dich gespeichert hat, und die Löschung verlangen. Gesundheitsdaten bei Ärzten, Kliniken und Krankenversicherungen schützt ein eigenes Gesetz, der Health Insurance Portability and Accountability Act (HIPAA).
Kanada, Indien, Brasilien, Südkorea und viele weitere Länder haben eigene Datenschutzgesetze. Der Wortlaut unterscheidet sich. In Brasilien und Südkorea kannst du die Löschung verlangen. In Kanada gibt dir das Bundesgesetz PIPEDA vor allem ein Recht auf Auskunft und auf richtige Daten.
Auskunftsrecht: Wissen, welche Daten über dich gespeichert sind
Das Auskunftsrecht, verankert in Artikel 15 der DSGVO, ist die Grundlage für Transparenz in der Datenökonomie. Es ermöglicht dir, zu erfahren, welche personenbezogenen Daten über dich gespeichert oder verarbeitet werden. Dieses Recht ist besonders wichtig, weil es dir hilft zu verstehen, wie deine Informationen verwendet werden. Bei prinzipiell jedem Unternehmen, das in irgendeiner Form deine Daten verarbeitet, kannst du einen kostenlosen Antrag auf Auskunft stellen.
Wenn du dein Auskunftsrecht nutzt, bekommst du detaillierte Informationen über:
- die Art der gespeicherten Daten,
- den Zweck der Datenverarbeitung,
- wie lange die Daten gespeichert werden,
- die Herkunft der Daten, falls sie nicht direkt bei dir erhoben wurden,
- Empfänger, an die deine Daten möglicherweise weitergegeben werden.
Dies gibt dir die Möglichkeit, besser zu kontrollieren, was mit deinen Daten passiert und ob du weitere Schritte, wie Berichtigung oder Löschung, einleiten möchtest.
Weiterhin kannst du anfordern, eine Kopie deiner gespeicherten persönlichen Daten zu erhalten. Wie so eine Kopie bei Meta aussieht, zeigen wir in Was Facebook und Instagram über dich wissen.
Recht auf Berichtigung: Falsche Daten korrigieren lassen
Hast du schon einmal festgestellt, dass falsche oder unvollständige Daten über dich gespeichert sind? Das Recht auf Berichtigung gibt dir die Möglichkeit, solche Fehler korrigieren zu lassen. Dies ist besonders wichtig, denn unrichtige Daten können zu Missverständnissen oder sogar zu Nachteilen bei Entscheidungen führen, die dich betreffen. Du kannst bei der Organisation, die die Daten verwaltet, eine Berichtigung beantragen. Sie muss unrichtige Daten dann unverzüglich korrigieren.
So gehst du vor:
- Identifiziere die unrichtigen oder unvollständigen Daten: Überprüfe die Informationen sorgfältig und stelle fest, welche Daten korrigiert werden müssen.
- Reiche einen Berichtigungsantrag ein: Kontaktiere idealerweise den Datenschutzbeauftragten des Unternehmens, oder einfach den Kundensupport und teile ihm mit, welche Daten unrichtig sind und wie sie korrigiert werden sollten.
- Folge dem Prozess: Das Unternehmen wird deinen Antrag prüfen und die Daten entsprechend anpassen. Falls notwendig, kannst du dich auch an eine Aufsichtsbehörde wenden, wenn dein Antrag nicht zufriedenstellend bearbeitet wird.
Diese Schritte helfen dir, die Kontrolle über deine personenbezogenen Daten zu behalten und sicherzustellen, dass sie korrekt und aktuell sind.
Recht auf Löschung: Deine Daten aus Datenbanken entfernen
Das Recht auf Löschung persönlicher Daten, oft auch als "Recht auf Vergessenwerden" bezeichnet, ist einer der zentralen Aspekte der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Es ermöglicht dir, die Löschung deiner Daten zu verlangen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Zum Beispiel, wenn die Daten nicht mehr notwendig sind für die Zwecke, für die sie gesammelt wurden, oder wenn du deine Einwilligung zur Datenverarbeitung widerrufen hast. Dieses Recht stärkt deine Kontrolle über deine persönlichen Informationen und hilft dir, deine Privatsphäre zu schützen.
Um dein Recht auf Löschung effektiv auszuüben, solltest du folgende Schritte berücksichtigen:
- Identifiziere die relevanten Daten: Bestimme, welche deiner Daten gelöscht werden sollen.
- Kontaktiere den Verantwortlichen: Wende dich an den Datenschutzbeauftragten oder die zuständige Stelle, die die Daten verarbeitet.
- Begründe dein Löschbegehren: Erkläre, warum die Löschung deiner Daten gemäß den Regeln der DSGVO gerechtfertigt ist.
Diese Schritte helfen dir, aktiv an der Verwaltung deiner Daten teilzunehmen und sicherzustellen, dass deine Rechte respektiert werden.
Eine fertige Vorlage für deinen Löschantrag nach DSGVO findest du in unserem Guide zum Löschen. Bei Firmen, bei denen du nie Kunde warst, hilft dir unser Guide Datenbroker-Daten löschen.
Recht auf Einschränkung der Verarbeitung: Deine Daten auf Pause setzen
Manchmal willst du nicht, dass ein Unternehmen deine Daten sofort löscht, aber es soll sie auch nicht weiter nutzen. Dafür gibt es das Recht auf Einschränkung der Verarbeitung nach Artikel 18 der DSGVO. Das Unternehmen darf deine Daten dann zwar weiter speichern, sie aber nur noch in engen Ausnahmen verwenden, zum Beispiel mit deiner Einwilligung oder für Rechtsansprüche. Stell es dir wie eine Pause-Taste vor, nicht wie eine Löschung.
Du kannst die Einschränkung verlangen, wenn:
- du bestreitest, dass deine Daten richtig sind, und zwar so lange, bis das Unternehmen das geprüft hat,
- die Verarbeitung unrechtmäßig ist, du aber statt der Löschung nur die Einschränkung willst,
- das Unternehmen die Daten nicht mehr braucht, du sie aber für Rechtsansprüche benötigst, zum Beispiel als Beweis in einem Streit,
- du Widerspruch eingelegt hast und noch nicht feststeht, wessen Gründe überwiegen.
Bevor das Unternehmen die Einschränkung wieder aufhebt, muss es dich informieren. Besonders praktisch ist dieses Recht zusammen mit der Berichtigung oder dem Widerspruch: Während das Unternehmen deinen Antrag prüft, bleiben deine Daten gesperrt.
Recht auf Datenübertragbarkeit: Deine Daten sicher übertragen
Das Recht auf Datenübertragbarkeit ermöglicht es dir, deine persönlichen Daten in einem strukturierten, gängigen und maschinenlesbaren Format zu erhalten. Dieses Recht ist besonders wertvoll, wenn du beispielsweise den Anbieter wechseln möchtest. Es erlaubt dir, deine Daten:
- von einem Dienstleister zu einem anderen zu übertragen,
- sie sicher auf deinen eigenen Geräten zu speichern oder
- einfach zu verwalten und zu kontrollieren.
Um dieses Recht effektiv zu nutzen, solltest du sicherstellen, dass die Anfrage auf Datenübertragung klar und präzise formuliert ist. Der datenverarbeitende Verantwortliche muss deine Daten dann unverzüglich, spätestens innerhalb eines Monats (in komplexen Fällen kann die Frist um zwei Monate verlängert werden), und in einem interoperablen Format bereitstellen. Dies fördert den freien Datenverkehr und stärkt deine Kontrolle über deine persönlichen Informationen. Denke daran, dass das Recht nur für Daten gilt, die du selbst bereitgestellt hast, und nur, wenn sie automatisiert und auf Grundlage deiner Einwilligung oder eines Vertrags verarbeitet werden.
Widerspruchsrecht: Nein sagen zur Datenverarbeitung
Hast du gewusst, dass du das Recht hast, der Verarbeitung deiner Daten zu widersprechen? Dies bedeutet, dass du in vielen Fällen Nein sagen kannst, wenn deine Daten in einer Weise genutzt werden, die dir nicht passt. Dieses Recht ist besonders wichtig, wenn deine Daten für Werbung verwendet werden sollen. Dann kannst du jederzeit widersprechen, ohne eine Begründung angeben zu müssen. Bei anderen Verarbeitungen, etwa wegen eines „berechtigten Interesses“ des Unternehmens, nennst du Gründe aus deiner besonderen Situation.
So gehst du vor:
- Kontaktiere den Datenschutzbeauftragten der Organisation, die deine Daten verarbeitet.
- Widersprich ausdrücklich: Teile mit, dass du der Verarbeitung deiner Daten widersprichst.
- Lass dir die Umsetzung bestätigen: Fordere eine Bestätigung, dass dein Widerspruch akzeptiert und umgesetzt wurde.
Diese Maßnahmen helfen dir, die Kontrolle über deine personenbezogenen Daten zurückzugewinnen und sicherzustellen, dass deine Privatsphäre respektiert wird.
Automatisierte Entscheidungen: Wenn ein Computer über dich entscheidet
Hast du schon einmal online einen Kredit beantragt und nach wenigen Sekunden eine Absage bekommen? Nach Artikel 22 der DSGVO hast du das Recht, keiner Entscheidung unterworfen zu werden, die ausschließlich automatisiert getroffen wird und dir gegenüber rechtliche Wirkung hat oder dich ähnlich erheblich beeinträchtigt. Typische Beispiele sind die automatische Ablehnung eines Online-Kreditantrags oder eine Bewerbung, die ohne menschliches Zutun aussortiert wird. Dazu zählt auch Profiling, also die automatische Bewertung deiner Person, etwa deiner Zahlungsfähigkeit.
Ganz verboten sind solche Entscheidungen nicht. Sie sind erlaubt, wenn sie für einen Vertrag mit dir erforderlich sind, ein Gesetz sie zulässt oder du ausdrücklich eingewilligt hast. Beim Vertrag und bei der Einwilligung muss das Unternehmen dir aber mindestens die Möglichkeit geben, dass ein Mensch die Entscheidung überprüft, dass du deinen Standpunkt darlegst und dass du die Entscheidung anfechten kannst. Der Europäische Gerichtshof hat am 7. Dezember 2023 entschieden, dass schon ein SCHUFA-Score eine solche Entscheidung sein kann, wenn Banken ihm eine maßgebliche Rolle bei der Kreditvergabe geben (C-634/21).
So gehst du vor:
- Frag nach: Erkundige dich beim Unternehmen, ob die Entscheidung automatisiert getroffen wurde. Über dein Auskunftsrecht bekommst du dann auch aussagekräftige Informationen über die Logik dahinter.
- Verlange eine Prüfung durch einen Menschen: Fordere, dass ein Mitarbeiter die Entscheidung überprüft, und schildere deine Sicht.
- Fechte die Entscheidung an: Widersprich der Entscheidung schriftlich beim Unternehmen. Bleibt es dabei und hältst du sie für falsch, kannst du dich bei der Datenschutzaufsicht beschweren.
So sorgst du dafür, dass ein Mensch die Entscheidung prüft und nicht nur ein Algorithmus.
Recht auf Schadenersatz: Entschädigung bei Datenschutzverletzungen
Wenn deine persönlichen Daten unrechtmäßig verarbeitet werden, hast du das Recht, Schadenersatz zu fordern. Dies gilt besonders, wenn durch die Verletzung deiner Datenschutzrechte Schäden entstanden sind. Es ist wichtig, dass du weißt, wie du in solchen Fällen vorgehen kannst, um deine Ansprüche geltend zu machen.
So gehst du vor:
- Identifiziere den Schaden: Bestimme, welche Art von Schaden dir entstanden ist, sei es emotionaler Stress oder ein Verlust der Privatsphäre.
- Sammle Beweise: Dokumentiere, wie deine Daten missbraucht wurden und welche Auswirkungen dies auf dich hatte.
- Kontaktiere den Datenschutzbeauftragten: Informiere die zuständige Stelle über den Vorfall und deine Absicht, Schadenersatz zu fordern. Die Schadensersatzklage an sich solltest du mit einem Anwalt absprechen.
Diese Schritte helfen dir, deine Rechte durchzusetzen und eine angemessene Entschädigung für erlittene Datenschutzverletzungen zu erhalten.
Wenn du sehen willst, ob deine E-Mail in einem bekannten Datenleck steht, prüfe das kostenlos.
Wie Datapods deine Datenschutzrechte stärken kann
Datapods bietet dir eine einfache und sichere Möglichkeit, deine Datenschutzrechte effektiv auszuüben.
Mit deinem Datapod kannst du:
- deine Accounts bei Google, Amazon, Apple, TikTok und Meta verbinden und sehen, welche Daten diese Dienste über dich speichern,
- mit den Werkzeugen zur Datenlöschung deinen digitalen Fußabdruck verwalten,
- mit Shield die Löschung deiner Daten bei Datenbrokern anfordern und den Stand in der App verfolgen.
Diese Tools stärken nicht nur deine Kontrolle über deine persönlichen Daten, sondern sorgen auch für deren sichere Verwaltung. Registriere dich auf Datapods und übernimm die Kontrolle zurück.
Häufige Fragen
Welche Datenschutzrechte habe ich nach der DSGVO?
Du hast das Recht auf Auskunft, Berichtigung, Löschung, Einschränkung der Verarbeitung, Datenübertragbarkeit und Widerspruch (Art. 15 bis 21 DSGVO). Dazu kommen der Schutz vor Entscheidungen, die allein ein Computer trifft (Art. 22), das Recht auf Beschwerde bei einer Aufsichtsbehörde (Art. 77) und der Anspruch auf Schadenersatz (Art. 82).
Was ist das Datenschutzrecht?
Das Datenschutzrecht ist ein Bereich des Rechts, der sich mit dem Schutz deiner persönlichen Daten befasst. Es gibt dir verschiedene Rechte und stellt sicher, dass Unternehmen und Behörden deine Daten nur in gesetzlich erlaubten Grenzen nutzen und verarbeiten.
Ist eine DSGVO-Auskunft kostenlos, und wie oft darf ich fragen?
Ja, die Auskunft und die erste Kopie deiner Daten sind kostenlos. Für weitere Kopien darf das Unternehmen ein angemessenes Entgelt verlangen. Eine feste Frist, wie oft du fragen darfst, gibt es nicht. Nur offenkundig unbegründete oder exzessive Anträge darf es ablehnen oder berechnen, und das muss es nachweisen.
Wie schnell muss ein Unternehmen auf meine Anfrage antworten?
Unverzüglich, spätestens aber innerhalb eines Monats nach Eingang. Bei komplexen Fällen oder vielen Anträgen darf das Unternehmen die Frist um zwei Monate verlängern, muss dir das aber im ersten Monat mitteilen und begründen. Lehnt es ab, muss es dir die Gründe nennen und dich auf die Möglichkeit einer Beschwerde hinweisen.
Was besagt Artikel 22 der DSGVO?
Artikel 22 gibt dir das Recht, keiner Entscheidung unterworfen zu werden, die ausschließlich automatisiert getroffen wird und dich rechtlich oder ähnlich erheblich betrifft, etwa die automatische Ablehnung eines Online-Kreditantrags. Erlaubt ist das nur, wenn es für einen Vertrag mit dir nötig ist, ein Gesetz es zulässt oder du ausdrücklich eingewilligt hast. Bei Vertrag und Einwilligung kannst du verlangen, dass ein Mensch die Entscheidung prüft, und sie anfechten.
Wo kann ich mich beschweren, wenn ein Unternehmen meine Rechte missachtet?
Bei einer Datenschutzaufsichtsbehörde, zum Beispiel in dem EU-Land, in dem du lebst oder arbeitest (Art. 77 DSGVO). In Deutschland ist das meist die Aufsicht deines Bundeslands. Eine Liste der Landesbehörden hat die Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) veröffentlicht. Die Beschwerde ist für dich kostenlos.





